Das Glossar zum Schweizer Beschaffungswesen.
Die wichtigsten Begriffe des Schweizer Beschaffungswesens, einfach erklärt: Verfahren, Kriterien, Fristen und Dokumente.
Verfahren
Offenes Verfahren
Verfahrensart, bei der jeder geeignete Anbieter direkt eine Offerte einreichen kann.
Selektives Verfahren
Zweistufiges Verfahren: Teilnahmeantrag mit Präqualifikation, danach Offerte der ausgewählten Anbieter.
Einladungsverfahren
Die Vergabestelle lädt eine begrenzte Zahl ausgewählter Anbieter direkt zur Offertstellung ein.
Freihändiges Verfahren
Direktvergabe an einen einzigen Anbieter, ohne Wettbewerb zwischen mehreren Offerten.
Kriterien
Eignungskriterien
Mindestanforderungen an das Unternehmen selbst: Erfahrung, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Organisation.
Zuschlagskriterien
Bewertungskriterien, die entscheiden, welche zulässige Offerte am meisten Punkte erhält.
Ausschlussgründe
Umstände, wegen derer eine Offerte formell nicht berücksichtigt oder ein Anbieter ausgeschlossen wird.
Technische Spezifikationen
Mindestanforderungen an die angebotene Leistung selbst, nicht an das Unternehmen.
Rechtsgrundlagen
BöB
Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen, die Rechtsgrundlage für Beschaffungen des Bundes.
IVöB
Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, die Rechtsgrundlage der Kantone.
WTO-Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen
Internationales Abkommen (GPA), das den Marktzugang für Beschaffungen oberhalb bestimmter Werte öffnet.
SIMAP
Die offizielle Schweizer Plattform, auf der Bund, Kantone und Gemeinden ihre Beschaffungen publizieren.
VöB, Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen
Die bundesrechtliche Verordnung, welche das BöB auf Verordnungsebene konkretisiert.
Staatsvertragsbereich
Beschaffungen, die vom GPA oder anderen anwendbaren Staatsverträgen erfasst werden.
Nicht-Staatsvertragsbereich / Binnenmarktbereich
Beschaffungen, die nicht unter internationale Staatsverträge fallen, aber weiterhin nationalem Beschaffungsrecht unterstehen.
BGBM, Bundesgesetz über den Binnenmarkt
Bundesgesetz, das den freien und gleichberechtigten Zugang zum Schweizer Binnenmarkt sichern soll.
InöB, Interkantonales Organ für das öffentliche Beschaffungswesen
Das interkantonale Organ, das die IVöB vollzieht und deren Weiterentwicklung steuert.
BKB, Beschaffungskonferenz des Bundes
Das Strategieorgan der Bundesverwaltung für die Güter- und Dienstleistungsbeschaffung.
BBL, Bundesamt für Bauten und Logistik
Bundesamt, das unter anderem als zentrale Beschaffungsstelle logistische Güter und bestimmte Dienstleistungen für die Bundesverwaltung beschafft.
KBB, Kompetenzzentrum Beschaffungswesen Bund
Bundesstelle, die Beschaffungs- und Bedarfsstellen des Bundes schult, berät und unterstützt.
Fristen & Schwellen
Schwellenwerte
Wertgrenzen, die bestimmen, welches Verfahren für einen Auftrag zulässig ist.
Angebotsfrist
Die publizierte Frist, bis zu der eine Offerte eingereicht sein muss.
Stillhaltefrist
Wartefrist zwischen Zuschlagsverfügung und Vertragsabschluss, während der eine Beschwerde möglich ist.
Fragerunde
Der offizielle Kanal, über den Anbieter Unklarheiten zur Ausschreibung vor Fristablauf klären.
Dokumente
Pflichtenheft
Das Dokument, das den geforderten Leistungsumfang und die technischen Anforderungen im Detail beschreibt.
Ausschreibungsunterlagen
Das vollständige Dossier einer Ausschreibung: Pflichtenheft, Vertragsbedingungen, Kriterien, Formulare.
Eignungsnachweis
Der Beleg, mit dem ein Anbieter zeigt, dass er ein verlangtes Eignungskriterium erfüllt.
Qualifizierte elektronische Signatur
Die höchste Stufe der elektronischen Signatur, teilweise für die Online-Einreichung auf SIMAP verlangt.
Weitere Begriffe
Zentrale Beschaffungsstelle
Stelle, die für andere öffentliche Auftraggeber Beschaffungen bündelt oder in deren Namen durchführt.
Beschaffungskooperation
Zusammenarbeit mehrerer öffentlicher Stellen, um Beschaffungen gemeinsam oder abgestimmt abzuwickeln.
Gemeinsame Beschaffung
Eine Beschaffung, an der mehrere Auftraggeber gemeinsam beteiligt sind.
Interkommunale zentrale Beschaffungsstelle
Eine zentrale Beschaffungsstelle, die für mehrere Gemeinden gemeinsam tätig wird.
Interkantonale zentrale Beschaffungsstelle
Eine zentrale Beschaffungsstelle, die Beschaffungen für mehrere Kantone gemeinsam organisiert.
Beteiligte Auftraggeber / beteiligte Beschaffungsstellen
Die öffentlichen Stellen, die an einer gemeinsamen Beschaffung mitwirken oder sie mitfinanzieren.
Gemeinsam einem Beschaffungsrecht unterstellte Beschaffung
Gemeinsame Beschaffung, bei der die beteiligten Auftraggeber ein bestimmtes Beschaffungsrecht als anwendbar festlegen.
Wirtschaftlich günstigstes Angebot
Das Angebot mit der besten Gesamtbewertung nach den publizierten Zuschlagskriterien, nicht zwingend das billigste.
Bietergemeinschaft
Ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die gemeinsam eine einzige Offerte einreichen.
Unterakkordant
Ein Drittunternehmen, das im Auftrag des federführenden Anbieters einen Teil der Leistung erbringt.
Los
Ein abgegrenzter Teilauftrag innerhalb einer grösseren Ausschreibung, der separat angeboten werden kann.